
DER MARMORKREBS- PROCAMBARUS SP.
Es ist schon viel gemutmaßt und gerätselt worden um was für eine Krebsart es sich hier wohl handeln
könnte- die wahre Identität dieses Tieres liegt jedoch nach wie vor im dunkeln.
Ein Problem bei der Zuordnung ist die Tatsache, das man nicht weiß woher dieser dieser Krebs stammt. Auch
intensive Nachforschungen bei den Krebsexperten in den USA und Australien führten bis jetzt zu keinem konkretem
Ergebnis.
Es muß sich jedoch um einen Cambarid aus Mitteamerika, Mexiko - oder südliche USA (sehr wahrscheinlich
Florida) handeln da er annulus ventralis hat, eine kleine Blasenförmige Leibesöffnung des Weibchens das
die Funktion einer Spermatotheka hat. Des weiteren hat er eine starke Ähnlichkeit mit den Krebsarten aus
diesen Regionen und der Krebspesterreger Apanomyces astacii scheint ihm wohl auch nicht viel auszumachen. Amerikanische
Krebse weisen gegenüber der Krebspest eine hohe Resistenz auf.
Wäre es eine Australische, Europäische oder Asiatische Art würde sie sich gegenüber der Krebspest
nicht so resistent zeigen.
Obwohl dieser Krebs aller Wahrscheinlichkeit nach noch unbestimmt ist kann man ihn in fast jedem Aquariumgeschäft
kaufen.
Viele Ladeninhaber wissen jedoch nicht das dieser Kruster die eine oder andere Überraschung für seinen
neuen Besitzer bereithält und der Krebs wird ohne weiteren bedenken eingepackt und mit nach Hause genommen.
Der Marmorkrebs ist zwar nicht so spektakulär gefärbt wie der blaue Florida Krebs (Procambarus alleni)
oder der Mandarinenkrebs ( Procambarus milleri) hat aber ein schön marmorierten Panzer ( daher auch der deutsche
Name) der je nach Wasserbedingung unterschiedlich gefärbt sein kann.
In kalkhaltigem Wasser werden die Tiere eine grün-braune Grundfärbung bekommen, in saurem Wasser
werden sie eher eine bläuliche Färbung aufweisen.
Ändert sich die Gesamthärte jedoch bedingt durch einen Umzug des Krebses in ein Becken mit einem niedrigen
Gesamthärte -wert, dann wird sich bei der nächsten Häutung auch die grünlich-braune Grundfärbung
des Krebses wieder zeigen.
Die meisten der neuen Krebsbesitzer sind etwas irritiert, wenn der Krebs, obwohl längere Zeit schon alleine
gehalten, mit einem Mal nun doch Eier an seinem Hinterleib mit sich herumträgt.
Zwar können Krebsweibchen die Spermapakete des Männchens mehrere Monate mit sich herumtragen doch in
diesem Fall ist das anders da noch überhaupt keine Männchen von dieser Spezies gefunden wurden. Eine
Untersuchung an mehr als 500 Tieren zeigte auch keine positiven Funde auf.
Wie ist das nur möglich?
Die Erklärung dafür ist in diesem Fall jedoch gar nicht so einfach.
Geschlechtliche und ungeschlechtliche, ein - und zweigeschlechtliche Tiere haben auch verschiedene mischvormen
gebildet, die meist jedoch auch mit deren Umwelt zusammenhängen. Krustentiere Blattläuse und Fadewürmer
können wählen wie sie sich vermehren wollen. Der Hauptfaktor hier sind die äußeren Bedingungen.
Solange die äußerlichen Bedingungen für das Tier und die nächst Generation konstant bleiben
pflanzen sie sich ungeschlechtlich fort.
Sobald sie aber spüren das sich die Lebensbedingungen sich verändern, das Klima sich ändert, die
populationsdicht schwankt, das Nahrungsangebot unsicher wird oder neue Fressfeinde einwandern, produzieren sie
genetisch unterschiedlich Jungtiere, die durch die Variabilität ihrer Erbsubstanz statistisch besser mit unvorhersagbaren
Verhältnissen fertig werden
Aus ähnlichen gründen leisten sich manche Tiere einen Geschlechtsapparat paaren sich aber nicht mit
einem anderen Tier. Das ist die anderweitig berühmt gewordene Jungfernzeugung oder griechisch Parthenogenese
- die Entstehung eines Lebens aus einer unbefruchteten Keimzelle.
Im Tierreich ist Parthenogenese ziemlich weit verbreitet besonders bei Insekten.
Das tun sie vorwiegend in einer Umgebung in der das finden eines passenden Geschlechtspartners zu dem Zeitpunkt
nicht möglich ist.
Es wird jedoch von Wissenschaftlern behauptet das Parthenogenese bei Krebsen noch nicht nachgewiesen ist -bis
jetzt noch nicht.
Anderseits könnte es sich bei diesem Krebs auch um einen Kruster handeln der ein Hermaphrodit ist was soviel
heiß wie ein zweigeschlechtliches Wesen(die griechische Mythologie spricht von einer Verbindung aus Hermes
und Aprodite)
Zwitterwesen produzieren männliche und weibliche Geschlechtszellen . Bei den Zwittern prägen sich die
beiden Geschlechter entweder gleichzeitig oder nacheinander in demselben Individuum aus. Als bekanntestes Beispiel
nenne ich hier den Regenwurm.
Eine andere Möglichkeit die man noch in Betracht ziehen kann wäre Autofertilisation.
Da dieser Krebs sich so unproblematisch vermehrt und sich äußerst schnell an verschiedene äußere
Bedingungen anpasst ist er für viele Aquarianer schon zu einem kleinen Platzproblem geworden und man weiß
nicht wohin mit den vielen Jungtieren die sich sehr schnell entwickeln und ihrerseits sich auch wieder vermehren.
Das beste in diesem Fall ist es wohl die Tiere an einen Händler abzugeben oder man entscheidet sich diesem
Krebs ein Artenbecken einzurichten.
Die Einrichtung dieses Aquariums sollte aus vielen Versteckmöglichkeiten bestehen.
Steine und Wurzeln sind für dieses Krebsbecken am besten geeignet. Pflanzen dienen in diesem Fall eher als
Nahrungsquelle und auch härtere Arten wie die verschiedenen Anubias oder Javafarn ( Microsorium pteropus)
die sich in manchem Barschbecken bewährt haben sind in diesem Fall wohl eher chancenlos und werden von dem
Krebs verspeist.
Gegenüber anderen Aquariumbewohner verhalten diese Krebse sich normalerweise friedlich, obwohl sie wie andere
Krebsarten auch gelegentlich zu Kanibalismus neigen und die eigenen Jungen oder Artgenossen verspeisen. Auch kranke
und bodenlebende Fische werden von dem Kruster erbeutet.
Krebse jagen ihre Beute aber nicht, sondern benutzen ihren stark ausgeprägten Tast- und Geruchssinn für
die Futtersuche.
Auch ist darauf zu achten dass das Becken gut abgedeckt ist damit es den Krebs daran hindert aus dem Aquarium auszubrechen
und sich auf Wanderschaft zu begeben, was für das Tier dann tödlich endet da es meistens zu spät
bemerkt wird und sie dann vertrocknen.
Die endgültige Größe dieser Spezies beträgt 8-12 cm. Die Temperatur in dem Becken in dem der
Krebs lebt kann von 10-30 °C betragen wobei er auch noch tiefere Temperaturen schadlos zu überstehen scheint
was ihn dann aber auch so gefährlich für die einheimischen Krebsarten macht.
Ich rate dringend davor ab diesen Krebs in einen Teich oder einen See zu entlassen, da auch er ein potienzeller
Überträger der Krebspest ist und somit die einheimischen Arten gefährdet.
Einigen Berichten zur Folge soll dieser Krebs schon in mehren deutschen Seen und Bächen gesichtet worden sein.