German Crayfish Articles/Deutsche Artikel



Procambarus milleri ( Hobbs 1971 )-Der Mandarinenkrebs

Es kommt nicht oft vor das man in einer dichtbesiedelten Gegend wie Miami und dazu auch noch unterirdisch Entdeckungen wie diese macht , die dazu führen eine ganz neue Spezies zu beschreiben. Umso aufregender muß es für diejenigen gewesen sein die an diesem Ereignis Anteil hatten
Dieser aus Florida stammende Süßwasserkrebs der endlich den Weg auch in die deutschen Aquarien gefunden hat wurde zufällig 1956 in Miami von dem Wissenschaftler Goerge Miller entdeckt und nach ihm benannt .Allerdings wurden nur 2 Männchen der wirklich seltenen Art entdeckt, die zu den unterirdisch

lebenden Krebsen den sogenannten Troglodyten gehören. Diese befanden sich in einem natürlichen Brunnen der zur Bewässerung einer Gärtnerei etwas außerhalb der Metropole Miamis .
Die Besitzer der Farm erzählten den ansässigen Wissenschaftlern Billy Drummond und George Miller von dem seltsamen Fund den sie da versehentlich mit einer Fischfalle ans Tageslicht geholt hatten.

Die beiden Wissenschaftler ahnten das es sich um eine neue Art handeln mußte und schickten daraufhin den Krebs zu Dr. Horton Hobbs der sein Leben den Krebsen und deren Erforschung verschrieben hatte. Glüchlicherweise befanden sich die Männchen in einer paarungsphase d.h. die beiden ersten Stränge des Gonopodenpaares waren in einer bestimmungsfähigen Zustand .so das Dr. Hobbs sie bestimmen konnte

1971 gab Dr. Hobbs dem Krebs den Namen Procambarus milleri nach seinem Entdecker George Miller.
Es wurden keine weiteren Funde dieser Spezies bekannt, bis der Fischzüchter und Farmer Paul Radice 1992 ein Paar dieser seltenen Krebse wiederentdeckte die zufälligerweise bei grabungsarbeiten für einen Bewässerungsbrunnen seine Fischfarm in der er Malawi Cichliden und Kois züchtet aus einer tiefe von 7 Meter hochgepumt wurden
Paul bemerkte diese auf dem Aushub des Brunnens kriechenden orangefarbenen Krebse die jedoch farblich sehr verschieden waren zu den Krebsen die er bis jetzt in Florida gesehen hatte und holte seinen Freund Bill Loftus zu Hilfe der im Everglades National Park arbeitet.
Er hatte das Manuskript von Hobbs über P. milleri gelesen hatte und vermutete das es sich wohl um die gleich Spezies handeln mußte.
Sogleich wurde das Pärchen zu Dr. Horton Hobbs geschickt der sehr glücklich war nach so vielen Jahren endlich die Möglichkeit zu haben auch ein weibliches Tier dieser Art beschreiben zu können

Das Grundgestein in Florida ist hauptsächlich aus Kalkgestein und die oberste Bodenschicht ist sehr dünn ,ziemlich porrös und es befinden sich jede menge Spalten darin.
Der Mandarinenkrebs (Procambarus milleri ) wurde vermutlich vor einigen tausend Jahren unterirdisch isoliert so das sich ungestört eine eigene Art entwickeln konnte. Die Risse und Spalten in der Oberfläche des Bodens ermöglichen Laub und anderem potentiellem Futter bis in das Untergrundreich des Krebses zu gelangen.
Um das leben dieses Tieres ein wenig zu erforschen wurden einige Fallen am Grund des Brunnens angebracht den Paul Radice ausgehoben hatte.
Nach 2 Monaten waren dann insgesamt 7 Krebse in die Falle gegangen .Die Krebse wurden Becken gesetzt wo sie nach guter Fütterung sich dann auch zu vermehren anfingen.
Nach kurzer Zeit waren die Becken dann auch randvoll mit Jungtieren und nach und nach gewöhnten sich die Tiere an das leben an der Oberfläche.
Sie überlebten sogar die Zerstörungen des Hurrikans Andrew der direkt über die Farm hinweggezogen war und ein Bild der Verwüstung hinterlassen hatte.
Auch die Folgeschäden die Hurrikane Andrew mit sich brachte meisterten die Tiere hervorragend .
Da der Sturm die elektrischen Leitungen lahmgelegt hatte konnten die Becken und Teiche der Farm nicht belüftet und nicht gefiltert werden. Die Verluste in den Koi und Malawibecken waren ziemlich groß ,doch die Krebse überlebten und das obwohl mehrere Tage kein Sauerstoff in die Becken gepumpt wurde, was bei anderen Krebsarten unweigerlich zu hohen Verlusten geführt hätte. Dies zeigt wiederum die hohe Anpassungsfähigkeit dieser Spezies an die kargen Bedingungen untertage.
Die Augen von Procambarus milleri sind nicht lichtempfindlich weshalb der Krebs problemlos in einem beleuchteten Aquarium gehalten werden kann. Die Farbe variiert von leuchtend orange bis gelblich-orange und sogar die Jungtiere des Mandarinenkrebses sind schon orange gefärbt .
Anders als bei Procambarus alleni wo die Männlichen Tiere die längeren Scheren haben ,
sind bei Procambarus milleri die Scheren von Männchen und Weibchen in etwa gleich groß.
Anders wie bei vielen Krebsen gestaltet sich auch das innerartliche verhalten dieser Krebse .
Das aggressive und territoriale verhalten wie es bei vielen anderen Arten beobachtet wurde ,konnte bisher bei dem Mandarinenkrebs nicht beobachtet werden.
Selbst bei einer hohen dichte an Krebsen in den Zuchtaquarien konnte keine aggressive Haltung noch Kannibalismus beobachtet werden ,auch im Umgang mit seinen Artgenossen scheint dieser Krebs toleranter zu sein als die meisten Krebse anderer Arten.
Man nimmt an das aggressives Verhalten und territoriale Kämpfe contraproductiv für das überleben und für die Erhaltung dieser Art sind.
Das Wasser in dem diese Krebse gehalten werden kann zwischen 20 und 30 °C liegen ,sollte leicht alkalisch sein und eine gewisse Härte haben..
Die maximale Länge des Krebses beträgt ca. 8cm, was ihn zu einem umgänglichen Mitbewohner in den Aquarien macht.
Die Eier die das Weibchen an die Unterseite des Abdomens anbringt sind groß und schwarz ,können von einigen Dutzend bis zu über 100 zählen das ist jedoch abhängig von der Größe des Tieres. Paarungen finden das ganze Jahr über statt und sind nicht auf Jahreszeiten begrenzt.
Die Jungtiere können zusammen mit den Eltern aufwachsen solange sich in dem Becken keine Fische befinden die Jungkrebse als Futterquelle ansehen.
Die leuchtend orange Farbe dieses Krebses kommt am besten zur Geltung in einem Becken mit dunkeln Kies und gedämpften Licht. Für den Aquarianer der Freude an der pflege eines farbenprächtigen Crusters in der Gesellschaft von Fischen hat ist der Mandarinenkrebs mit seiner faszinierenden Geschichte und seiner Lebensart ein interessante Ergänzung in vielen Süßwasseraquarien und wird uns sicherlich noch viel Freude bereiten.
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