
German Crayfish Articles/Deutsche Artikel
Procambarus alleni Der Florida Hummer
Ein blauer Juwel im Süßwasseraquarium ---- Der Florida -Lobster --- Procambarus alleni (Faxon )
Als ich vor einigen Jahren diese wunderbar blau gefärbten Tiere in der Zoohandlung sah, in der ich neben
meinem Studium jobbte, war ich sofort fasziniert von diesen seltsamen Geschöpfen und fragte meine Kollegen
nach Herkunft und Verhalten doch niemand wußte genaueres über diese Art außer meinem Kollegen
Uwe Dost der aber in der Reptilien Abteilung zu suchen war .Schnell war die Abteilung gewechselt und ich lies
mich von meinem Kollegen beraten .
Er meinte , daß dieser Krebs wohl aus Florida verschickt wird (deshalb Florida - Lobster). Die blaue Farbe
ist auf einen Enzymdeffekt zurückzuführen und wird deshalb rezessiv vererbt . Diese Krebse entstammen
eigentlich einer Art die eher unauffällig bräunlich gefärbt ist.
Nach einem langen Beratungsgespräch untersuchten wir gemeinsam alle Tiere und es stellte sich heraus daß
nur männliche Tiere vorhanden waren.
In der Hoffnung zu einem späteren Zeitpunkt auch das passende Weibchen zu meinem Männchen zu finden,
nahm ich ihn mit nach Hause.
Hier angekommen mußte ich meinem einsamen Herren erstmals ein geräumiges Becken zur Verfügung stellen.
Meine Malawi - Barsche denen ich schon seit Jahren die Treue, hielt mußten erstmals weichen und in ein
anderes Becken umziehen .Der junge Kerl entwickelte sich prächtig und war nach kurzer zeit zu einem stattlichen
Herrn von 10 cm herangewachsen.
Regelmäßig untersuchte ich die Lieferungen der Großhändler auf Weibchen und nach langer
und intensiver Suche wurde ich dann auch fündig. Es muß sich wohl um ein Versehen der Lieferanten gehandelt
haben ,denn wie ich immer wieder zu hören bekam, wurden nur Männchen verschickt um die Vermehrung zu
verhindern und so die Preise stabil zu halten. Andere wiederum meinten ,daß die Männchen schneller
wachsen würden und deshalb nur männliche Tiere verschickt werden. Mittlerweile glaube ich , daß
die Preispolitik wohl die größere Rolle gespielt haben muß, denn nach etlichen tausend Krebsnachzuchten
konnte ich keine wesentlichen Unterschiede des Wachstums in Verbindung mit dem Geschlecht feststellen
PAARUNG und VERMEHRUNG.
Als ich das Weibchen bei meinem Männchen einquartierte , war dieser auch sofort bereit mit der Dame eine
Familie zu gründen . Zu Beginn der Paarung ergreift das Männchen das Weibchen mit den Scheren und
versucht es auf den Rücken oder auf die Seite zu drehen . Mit den Schrittbeinen umklammert er den Körper
des Weibchens und versucht es festzuhalten . Ist ihm das gelungen, dann liegen die Ventralseiten beider Geschlechter
einander zugekehrt und die Paarung kann beginnen . Die Begattung dauert ungefähr 15 Minuten, danach wird
das Weibchen freigelassen .
Nach einer gewissen Zeit im Normalfall zwischen 10-20 Tagen ( kann schwanken ) findet die Eiablage statt.
Dabei legt sich das Weibchen auf den Rücken , krümmt das Ende des Abdomens nach vorn und erzeugt hierbei
eine Kammer in der die Eier Platz finden. Die Anzahl der Eier hängt auch von der Größe des Weibchens
ab ,die schon ab 6-7 cm geschlechtsreif sind. Kleinere Weibchen haben in der Regel 100-150 Jungtiere, größere
Weibchen hingegen können bis auf 350 Jungtiere kommen.
Diese haften an der Unterseite des Hinterleibs der Mutter und werden von ihr intensiv gepflegt .Dieses geschieht
durch die Bewegungen der Schwimmfüße im Wasser um die jungen zu umspülen und so zu belüften
und vor eventuellen Verunreinigungen zu befreien.
Wenn die Jungtiere geschlüpft sind haften sie noch einige Zeit an der Unterseite der Mutter ,bevor sie zu
selbständigen kleinen Krebsen werden.
In der ersten Zeit wachsen die Jungkrebse recht schnell und häuten sich in der Regel alle paar Tage,
wobei die Temperatur eine große Rolle spielt. Diese bewegt sich im Optimalfall bei Jungkrebsen zwischen
20-27 °C .Wie bei vielen anderen Krebsarten auch, sollte man auch bei den Florida - Lobster für eine
ausreichende Belüftung des Beckens sorgen .
Da Krebse kanibalistisch veranlagt sind , kommt es vor daß der eine oder andere von seinen Geschwistern
verzehrt wird. Besonders in der ersten Zeit wenn die Tiere sich häufig Häuten kommt es zu Verlusten.
Deswegen sollte man den Jungkrebsen ein möglichst großflächiges Aquarium bereitstellen , mit
genügend Unterschlupfmöglichkeiten. In meinem Aquarium haben sich hierfür Ziegelsteine mit Löchern
bewährt .Wenn man die Tiere öfters am Tag füttert
sind die Verluste eher als gering einzustufen.
FUTTER und FUTTERAUFNAHME
In der ersten Zeit füttere ich gerne Discusgranulat .Nach einigen Tagen kann man schon Mückenlarven
verfüttern . Adulten Tieren füttere ich auch häufig abgestorbenes Pflanzenmaterial (Detritus ),
bestehend aus abgefallenen Laubblätter , gemischt mit Algen und kleineren Ästen. Dieses läßt
sich aus einem nahegelegenen Teich fischen . In diesem Gemisch befinden sich jede Menge andere kleine Wirbellose
die von den Krebsen auch gerne gefressen werden. Dieses bildet auch in freier Natur den Hauptbestandteil ihrer
Nahrung und sollte deshalb auch im Aquarium auch nicht fehlen. Der Speisezettel der Krebse ist allerdings sehr
groß und beinhaltet pflanzliche wie auch tierische Nahrung . Dadurch gestaltet sich das Zusammenleben
im Aquarium mit anderen Wirbellosen und Fischen etwas schwieriger, aber nicht unmöglich. Kleinere Schnecken
und Welse können früher oder später verzehrt werden , große Apfelschnecken, größere
Welse und kleine Barsche überleben meistens. Salmler oder Lebendgebärende würde ich auch nicht
für das zusammenleben mit dem Krebs empfehlen.
HÄUTUNG und WACHSTUM
Damit der Krebs an Größe zulegen kann, muß er sich immer wieder von seinem alten Panzer befreien
und einen neuen bilden. Die Häutung ist ein schwieriger und gefährlicher Moment im Leben eines jeden
Krebses .
Die Vorbereitung auf die Häutung kann man schon einige Tage vorher bemerken. Die Nahrungsaufnahme wird eingestellt
um dem Panzer dadurch soviel wie möglich Kalk zu entziehen.. Steht die Häutung dann kurz bevor, kann
man einen Bruch zwischen Carapax und Abdomen sehen. Dann dauert es gewöhnlich nicht mehr lange bis der
Krebs sich auf die Seite legen wird, und sobald die Verbindung zwischen Carapax und Abdomen geplatzt ist, wird
der Krebs unter rhythmischem pumpen versuchen sich von dem alten Panzer zu befreien. Ist dieses gelungen, wird
der sogenannte Butterkrebs für die nächsten Tage ein Versteck aufsuchen , da der neue Panzer noch sehr
weich ist und keinen Schutz bietet. .In dieser Zeit nimmt er viel Wasser auf um seinen Körper zu dehnen und
somit zu wachsen. Die alte Haut wird meistens von ihm oder seinen Artgenossen gefressen. Sein dient hiermit als
willkommener Kalklieferant . Nach 2-3 Tagen wird der Panzer ausgehärtet sein und das normale Leben geht weiter.
Vereinzelt kommt es bei der Häutung zu Verlusten von Scheren oder Beinen, die aber nach einiger Zeit nach
geschoben werden und somit ersetzt werden. Manchmal , wenn es Probleme bei der Häutung gab, wird der Krebs,
der dann zu schwach ist um sich zu wehren, von seinen Artgenossen angefressen. Deshalb sollte man wenn man mehrere
erwachsene Tiere in einem Becken pflegt wie auch bei dem Nachwuchs, für genügend Rückzugsmöglichkeiten
sorgen.
.
ANSPRUCH und PFLEGE
Wichtig für eine erfolgreiche Pflege der Krebse ist sauberes, sauerstoffreiches Wasser. Ein häufiger
Wasserwechsel regt Fortpflanzung und Häutung an Da ich in meinem Aquarium keine Heizstäbe benutze, schwankt
die Wassertemperatur im Winter zwischen 15- 20°C und im Sommer zwischen 20 - 28°C . Der Ph-Wert kann zwischen
7.5 und 8.0 liegen. Die Aquariumeinrichtung besteht hauptsächlich aus kalkhaltigem Lochgestein und Wurzeln.
Pflanzen befinden sich nicht im Becken da sie früher oder später von den Krebsen angefressen werden und
die Schwebeteile dann das Ansaugrohr des Filters verstopfen. Die einzigen Pflanzen die bisher nicht oder kaum angefressen
wurden sind der gehämmerte Wasserkelch (Cryptocoryne usteriana ) und das Javafarn (Microsorium pteropus
). Das Licht ist der Temperatur angepasst und beträgt im Winter 8-10 Stunden im Sommer 10-12 Stunden.
KRANKHEITEN und PARASITEN
Die wohl bekannteste Krankheit bei Krebsen ist die Krebspest. Der Schlauchpilz (Aphanomyces astaci) führte
bei den europäischen Krebsarten schon zu Totalausfällen . Eine Bekämpfung ist nach heutigem
Wissensstand nicht möglich. Pacifastacusarten , die teilweise resistent ,und Cambarellusarten ,die resistent
sind lassen den Schluß zu, daß der Erreger aus Nordamerika eingeschleppt wurde. Da Procambarus alleni
zu den Nordamerikanern zählt ist für ihn die Krankheit nicht als akute Gefahr zu betrachten , wohl
aber fungiert er als Überträger der Krankheit und sollte deshalb auch nicht in einheimische Gewässer
entlassen werden . Selbst das Wasser und die Gegenstände mit denen er in Berührung kommt können
als Überträger gelten.
Eine andere Krankheit ist die Porzellankrankheit , deren Erreger ein parasitischer Microsporid (Thelohania contejani
)die Muskelpartien des Abdomens und der Extremitäten befällt. Die Symptome der Krankheit sind deutliche
Verhaltensstörungen und auch erkennbar an dem porzelanartigem, weiß durchschimmerndem Schwanzmuskel
an der Abdomenunterseite . Die Krankheit führt auf alle Fälle zum Tod des Tieres. Die Ansteckung erfolgt
durch das Fressen eines erkrankten Tieres. Diese Krankheit kann durch das Entfernen der infizierten Tiere eingedämmt
werden.
Die Brandfleckenkrankheit wird durch zwei verschiedene Fadenpilze verursacht . Die Symptome sind braune oder
schwarze Flecken ,die auf dem Panzer oder den Extremitäten zum Vorschein treten .Die Krankheit führt
zu keinen größeren Verlusten . Durch Zugabe von altem Erlenlaub oder Eichenlaub sind Besserungen möglich.
Der Krebsegel (Branchiobdella sp. ) ist auch relativ häufig auf Krebsen zu finden. Er ist aber relativ
ungefährlich. .Dieser 1-2mm lange weiß-gelbliche Egel besiedelt den Panzer des Tieres und ist eigentlich
eher ein Symbiont als ein Parasit . Die Bekämpfung kann durch eine Zugabe von Salz erfolgen (ca 1,5 % )
In unseren Zooläden werden oftmals Wirbellose angeboten , deren Herkunft ungewiss ist und über deren
Verhalten, Größe und Gewohnheiten noch vieles in Erfahrung gebracht werden muß. Nicht selten
hat so manch neuer Krebsfreund gestaunt, wenn sein doch kleiner ''Süßwasser - Hummer'' plötzlich
zu einem Riesen heranwuchs , die ganzen Neons verschwunden sind und das Becken ganz anders aussieht als man
es eigentlich gewollt hat .Trotz einiger Verluste oder Rückschläge bei der Haltung von Krebsen geht
von diesen Tieren eine gewisse Faszination aus und hierbei kann gerade der Florida - Lobster ganz besonders erfreuen.