German Crayfish Articles/Deutsche Artikel


Flusskrebsreise nach Florida - oder "Europe is a beautiful country "

Chris Lukhaup und Reinhard Pekny

In Florida herrscht zum Zeitpunkt unserer Reise (Mitte April) eine starke Dürre. Bereits seit 4 Jahren gibt es zu wenig Niederschläge, seit gut 3 Monaten ist kein Regen gefallen.
Alles ist äußerst trocken, es gibt einige Waldbrände die in manchen Regionen Floridas den Himmel verdunkeln und die Farmer verzweifeln lassen. Überall besteht Feuergefahr und die sonst so wasserreichen Everglades sind auf ein Minimum ihrer sonst so riesigen Fläche zusammengeschrumpft.
Die meisten Roadside Ditches (Tümpel die sich am Rande vieler Wege in Amerika befinden und die von den bekannten Krebsspezialisten häufig als Krebshabitate angegeben werden)sind ausgetrocknet, selbst die kleinen Creeks führen kein Wasser oder sind zu winzigen Tümpeln zusammengeschrumpft.
Dies erleichtert unserer Meinung nach die suche nach Krebsen da sich diese in den verbleibenden Pfützen konzentrieren oder aber an den Rändern der ausgetrockneten Gewässer ihre "Chimeys" deutlich sichtbar errichtet haben und daher ausgegraben werden können.
Die Befürchtung, das die Krebse sehr tief unter der Erdoberfläche im abgesunkenen Grundwasser sitzen und daher schwer zu erreichen sind, hat sich außer in einem Fall nicht bewahrheitet.
Der Tag der Anreise war sehr langwierig da wir keinen Direktflug genommen hatten sondern über Zwischenstopps geflogen waren und durch Verspätungen erst Mitternacht in Orlando angekommen waren. In aller eile holten wir unseren Mietwagen ab und machten uns auch sofort in Richtung Nordflorida auf die Socken.
Den Süden Floridas hatte ich schon in einigen meiner vorhergehenden Reisen intensiv untersucht und herausgefunden das er von nur 3-4 Krebsarten besiedelt wird .Der Nördliche Teil hingegen wird von ca. 45 Arten besiedelt wobei viele Höhlenbewohner sind und die in dieser trockenen Zeit äußerst schwierig zu fangen sind. Die Höhlen sind komplett trocken bis auf das tiefste innere das aber beinahe unmöglich zu erreichen ist.
Die erste Nacht verbrachten wir in einem Motel von dem wir dann am nächsten morgen weiter nach norden fuhren.Bei dem ersten größeren Kanal der sich sehr nah in Küsten nähe befand machten wir dann auch sofort halt um nachzuschauen ob sich Krebse in diesem brackigem Wasser (gh 40 +) befinden.
Schon mit dem ersten Kescherfang waren wir erfolgreich und konnten einige Procambarus fallax (Hagen 1870 ) and Land ziehen. Des weiteren fingen wir an derselben stelle Unmengen von Grasgarnelen, lebendgebärende Zahnkarpfen, Muscheln und Turmdeckelschnecken.
Weiter geht es dann in Richtung norden wo wir dann bei Salt Springs unseren zweiten Übehrnachtungsplatz, einen Campground ,finden und unser Zelt aufbauen.
Am selben Abend erkunden wir die Umgebung um auf eventuelle spuren von krebsen können aber leider nichts entdecken. Kurz bevor es dann so richtig dunkel wurde erkennen wir dann nördlich von Salt Springs an einem Creek die ersten Chimneys und beschließen uns am nächsten Tag Werkzeug zu besorgen und die ersten Grabungen vorzunehmen.

Die Nacht die wir dann im Zelt verbringen würde eher zu Alaska als zu Florida passen.
Am nächsten morgen messen wir 2,8 °C !!! Lufttemperatur.
Die kalte Nacht noch in den gliedern fahren wir dann gut ausgerüstet mit dem Werkzeug das wir uns vorher in einem Store besorgt hatten zu dem Creek und beginnen mit den Grabungen.
Nach einigen Minuten intensiven grabens fangen wir unseren ersten Krebs wobei dieser verdächtig nach P.fallax aussieht und sich auch als solcher herausstellt.
Enttäuscht graben wir weiter da er ja auch nur ein Gast in diesem System sein könnte und P. fallax nicht als " Gräber " bekannt ist.
Unsre Ausdauer wird belohnt als wir plötzlich ca. 8 mm lange und orangene Jungtiere zu Gesicht bekommen die wir alle vorsichtig aufsammeln. Angespornt durch diesen Erfolg graben wir weiter, bis wir auch das Muttertier erwischen.
Anschließend haben wir noch verschiedenste Borrows ausgegraben und einige Tiere gefunden, darunter auch ein Weibchen mit Eier .Da in dieser Gegend nur Cambarus geodytes( Hobbs 1942 ) als Gräber bekannt ist schließen wir daraus das es wohl nur diese Art sein kann.

Mit diesem Erfolg in der Tasche fahren wir gut gelaunt nach Clay County wo es in einem Creek eine endemische, wunderschöne aber äußerst seltene Krebsart geben soll - Procambarus pictus ( Hobbs 1940 ) -ein relativ kleiner Vertreter seiner Spezies.
Nach vielen Fragen nach dem geheimnisvollen Creek treffen wir durch Zufall auf den City Manager einer Stadt in Clay County der uns äußerst hilfsbereit zielführende Auskünfte erteilt.
An dem Creek angekommen, sehen wir das dieser Fluss gar keine Wasserpflanzen hat und der Bodengrund aus feinem weißen Sand besteht.
Das Wasser ist schwarzbraun gefärbt und erinnert sehr stark an die Flüsse in Südamerika.
Sofort springe ich komplett angekleidet in das Wasser um nach den Krebsen zu suchen.
Doch so schnell wie ich im Wasser war so schnell springe ich auch wieder aus dem Wasser da dieses eine Temperatur von nicht mehr als 16 °C hat . Die Temperatur außerhalb des Wassers beträgt dennoch, auch wenn es schon Abend ist, fast 30 °C .
Vorsichtig begeben wir uns noch einmal ins Wasser um nach den Krebsen zu fanden und werden auch fündig.
Die Tiere sitzen im Laub, unter Ästen und Zweigen, aber auch in achtlos weggeworfenen Flaschen und Dosen.
Wir sind ziemlich überrascht als wir sogar ein Weibchen mit Eiern finden die laut Beschreibung erst im Sommer brüten sollen.
Die folgende Nacht verbringen wir wegen der tiefen nächtlichen Temperaturen in einer Holzhütte auf einem KOA Campground.
Am nächsten morgen geht es dann weiter auf dem Highway in Richtung Westen nach Columbia.
Auf dem weg dahin machen wir mehrere kleine Stopps wo wir einige Krebse fangen die wir als Procambarus paeninsulanus (Faxon 1914 ) und Procambarus leonensis ( Hobbs 1942) einstufen.
Den nächsten größeren Stopp legten wir nördlich von Lake City ein.Dort kreuzen wir den "Deep Creek" der zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht sehr tief ist.
Beim Hingehen sehen wir auch die erste Schlange. Das Wasser ist schwarzbraun und der Bodengrund sandig. Im Wald wenige Meter vom Fluss finden wir einige Schlammtümpel an dessen Rand sich einige Bohrlöcher befinden. Es könnten auch Borrows sein aber es fehlen die Chimneys.
Da es in der Gegend einige Krebsarten geben soll die kunstlose Kamine bauen sollen gehen wir den Bohrungen nach.
Mit gehöriger Vorsicht, denn 4 Meter von unserer Grabungsstelle neben dem Tümpel liegt eine Schlange auf einem Hügel um sich zu sonnen. Uns wurde zwar später anhand eines Fotos von einem Campgroundbesitzer gesagt die Schlange wäre harmlos (faunistische Fachauskünfte von unseren Amifreunden sollten allerdings mit Vorsicht aufgenommen werden)doch ihr stark dreieckiger Kopf ließ uns etwas anderes vermuten.........
Wir graben den Gang jedoch weite ohne die Schlange aus den Augen zu lassen bis der Gang unter einen Zypressenstock führt den wir dann rausreißen. In dem Loch schlängelte sich etwas dunkles. Nach dem ersten Schreck können wir dann erkennen das es keine Schlange und holten das Tierchen aus dem Loch. Nach längerem überlegen kommt Reinhard zu dem Schluss das es sich hierbei um einen Aalmolch ( Amphiumidae) handeln muss. Das Vorkommensgebiet deckte sich auch mit unserem Fundort.
Wir haben somit durch Zufall ein Tierchen ausgegraben das noch wenige Menschen lebend gesehen haben.
Als ich dann zum Schluss in diesem Creek ein letztes mal den Kescher in den Uferbereich hielt und glücklicherweise sich dann auch ein Krebs darin befindet spornt uns das an unsere Zelte noch nicht abzubrechen und weiter in den Wurzeln der Uferbäume nach Tieren zu suchen.
Letztendlich finden wir in diesem Creek dann doch noch Procambarus fallax und Procambarus speculifer (LeConte 1856) .
In den nächsten Tagen geht es dann weiter nach Westen in Richtung Tallahassee der Hauptstadt Floridas. Auf dem Weg dahin kaufen wir ein paar Styropor Kisten da es tagsüber in dem Auto sehr warm ist und die Krebse das womöglich mit dem Leben bezahlen könnten. Die Tümpel und Creeks auf dem Weg nach Tallahassee fangen wir nur Arten die wir schon mitgenommen haben und Tiere die wir besser nicht mitnehmen wie Schildkröten, des weiteren viele Barsche und Lebendgebärende Zahnkarpfen.
In Liberty County angekommen finden wir an einem Ufer eines Tümpels einige Chimneys und beschließen uns gleich an die arbeit zu machen. Das Wasser des Tümpels ist sehr warm ( über 30 °C).
In dem Wasser finden wir einige Krebse die Cambarus latimanus( LeConte 1856 ) sehr ähnlich sehen und auch in den gegrabenen Gängen finden wir dieselbe Spezies und nehmen einige der Tiere mit in unser Quartier um sie näher zu untersuchen.
In manchen dieser Gänge befanden sich auch manchmal mehrer Tiere was auf Familien verbände schließen lässt das bei vielen Krebsarten nicht unüblich ist.
Da wir zu diesem Zeitpunkt uns schon dem Tag der Abreise nähern beschließen wir wieder in den Süden zu fahren.
Auf unserem Heimweg in Richtung Miami Flughafen übernachten wir auch an einem größeren Fluss dem Ocklockonee River.
Dieser Fluss ist umringt von Zypressen- und Auenwälder. An einer Bootsanlegestelle gibt es auch einen Zeltplatz wo wir unser Gepäck verstauen können um uns auf einen Nächtlichen Krebsfang vorzubereiten.
Am Abend bereiten wir Reusen und Krebsteller vor, bestücken die se mit Köder ( in diesem Fall Katzenfutter mit Thunfisch)und warten auf die Nacht.
Die Nacht verläuft äußerst erfolgreich, wir fangen einen ziemlich großen Aal, einen großen Barsch, eine Schlammschildkröte und mehrere adulte Procambarus spiculifer .
Weiter geht es am nächsten Tag in Richtung Südwest, bis wir an eine Bootsanlegestelle kommen die äußerst verlockend auf uns wirkt. Die Bootsanlegestelle befindet sich im Schatten und wir können endlich mal wieder einen ausführlichen Wasserwechsel machen.
Diese Stelle im Zypressensumpf wirkt aber auch äußerst attraktiv auf die vielen Stechfliegen die uns mehr und mehr zu schaffen machen.
An dieser Stelle fangen wir mehrere interesannte Krebsarten. Die kleinsten unter ihnen sind sehr wahrscheinlich Cambarellus schmitti ( Hobbs 1942 ) da sie Cambarellus shufeldtii sehr ähnlich sehen und schon mit 1 cm Eier und junge mit sich herumtragen. Bei der zweiten Art sind wir ein wenig ratlos und beschließen die Tiere erst mal mit in unser Quartier zu nehmen um sie später genau untersuchen zu können.Besonders die kleine Größe ( 3 cm) und die besonders langen schlanken Scheren fallen uns auf. Hierbei könnte es sich um Cambarellus blacki ( Hobbs 1980) handeln.
Die dritte interesannte Art ist sehr wahrscheinlich Cambarus diogenes (Girard 1852 ). Da wir von dieser Art nur Jungtiere fangen glauben wir das die älteren Tiere irgendwo im Zypressensumpf ihre Höhlen haben und nicht im freien Gewässer zu finden sind.
Als wir am nächsten Tag auf dem Weg nach Miami in einem Wall Mart nach Lösungen suchen wie wir unsere vielen Krebse sicher nach Hause bringen können fragen wir das Personal nach gewissen Behältern die uns sinnvoll erscheinen um darin unsere Tiere zu verstauen.
Die Verkäuferrinnen sind etwas irritiert als sie hören das wir Krebse mit ins Ausland nehmen wollen und fragen uns daraufhin wo wir herkommen. Wir erklären ihnen das wir aus Europa kommen und uns auf einer Krebsexpedition in Florida befinden wobei die eine Verkäuferin zur anderen sagt - ja, sie hätte schon von Europa gehört und ", Europe is a beautiful country"
was soviel heißt wie "Europa ist ein schönes Land ". !!! Wir können uns ein breites Grinsen nicht verkneifen . Somit haben wir uns auch von den geographischen Kenntnissen der Amerikaner überzeugen lassen.
Die Vorbereitungen für unseren Heimflug laufen fast planmäßig ab
In Miami besuchen wir Paul einen Krebszüchter der uns noch einige Procambarus milleri (Hobbs 1971 ) mit auf den Weg gibt und dank Reinhards Improvisationskünsten und Pauls Hilfe können wir auch alle Tiere sicher in unseren Behältern verstauen.
Auf dem Weg von Miami nach Frankfurt stecken Reinhard und ich schon wieder in der Planung der nächsten Krebsexpedition...
....Madagaskar ,Australien , Neu Guinea, Mexiko ???